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Ich und Twitter, Twitter und ich

7. Januar 2010

Da steh ich also – ein bisschen hilflos – konfrontiert mit dem Phänomen Twitter. Bin ich repräsentativ für diese Community?
Zurück zum Anfang – mein Ding mit der Twittersache.
Es war März, kurz nach meinem 40. Geburtstag, der mich mental in ein tiefes Loch fallen ließ (womit ich das Klischee bediene). Im Job ständig unter Strom, zuhause “alleinerziehend” nicht weniger in Anspruch genommen, gerade eine gescheiterte Beziehung hinter mir. Konfrontiert mit ständigen Selbstzweifeln. Bin ich eine gute Mutter? Werde ich den Anforderungen im Job gerecht? Zu allem Überfluss war ich auch noch aufs Land gezogen, woraus resultierte, dass mein Freundeskreis nicht mehr auf’n Sprung vorbei kam, weil’s eben nicht auf dem Weg liegt. Mein soziales Umfeld war temporär zusammen geschrumpft auf Arbeitskollegen und Familie.
Auf der Suche nach Konversation, nach oberflächlichem Austausch ohne Tiefgang “begegnete” ich Twitter. Nicht zuletzt die Neugier auf dieses viel erwähnte web2.0-Medium, das angeblich Beziehungen scheitern ließ (in den Medien Jennifer Aniston und John C. Mayer) und politische Skandälchen auslöste, brachte mich dazu, mich bei Twitter anzumelden.
Anfangs wusste ich nicht so recht, was ich damit anfangen soll und war etwas hilflos. Das änderte sich schnell.
Ich entwickelte eine Leidenschaft für diese Plattform, hab mich dran gewöhnt, mich mit wildfremden Menschen übers miese Wetter, über Politik, über Gesellschaft, über TV-Sendungen zu unterhalten. Das ging soweit, dass ich gemeinsam mit meinen “unsichtbaren Freunden” Schlag den Raab geschaut und kommentiert hab. Ich nahm teil an Jackos Tod, hab den Wahlkampf verfolgt und eifrig mit diskutiert, …….
Ich verfiel dem Unsinn, diesen Menschen mitzuteilen, dass ich gerade Kaffee trinke, dass ich die Sauce versalzen hab, dass ich ein Glas Wein trinke, dass ich Antifalten-Crème kaufe, dass ich Kopfweh hab, dass ich verliebt bin… Ich hatte das Gefühl, dass da draußen jemand sitzt, der das zur Kenntnis nimmt und hin und wieder sogar seinen Senf dazu gibt.
Ich bin mir dessen bewusst, dass Twitter nicht wirklich was mit meinem mentalen Aufwärtstrend damals zu tun hatte. Das waren andere Faktoren. Aber die Gemeinschaft auf Twitter hat mich begleitet. Und so blöd sich das auch anhören mag: es hat gut getan.
Und alles wurde besser…
Ich hatte nie den Anspruch, diese Menschen persönlich kennenzulernen. Ich genieße weitgehend die Anonymität mit Persönlichkeitswert, die Möglichkeit, eine Rolle zu spielen, ohne enttarnt zu werden, ohne mich rechtfertigen zu müssen.
Man darf sich nicht einbilden, wichtig zu sein. Das ist auf Twitter defintiv keiner. Kaum einer wird ernsthaft vermisst, wenn er nicht präsent ist.
Twitter ist eine oberflächliche Gemeinschaft, die vergisst. Das macht die Sache so einfach.
Das ist meine Erfahrung mit Twitter. Ganz subjektiv.
Alles wird gut.

6 Kommentare

  1. Hallo Frau Antje,
    auch wir freuen uns, dass Du auf Twitter mit uns Unfug treibst!
    lg Markus


  2. Hi Antje,

    sehr schön geschrieben. Es freut mich, dass Du es so positiv erlebst. Weiter so. Jetzt bloß nicht aufhören! :-)

    LG
    Chris


  3. ich werde auf jeden vermisst.
    jahaa.
    sischer dat.


  4. Hallo Antje,

    das ist vollkommen in Ordnung, wenn Du Twitter so benutzt.
    Viele, wenn nicht die allermeisten nutzen Twitter auf diese Weise.

    Aber das “Ökosystem” Microblogging hat viele Nieschen.
    Entweder um sich neues Wissen anzueignen, Hobbys zu teilen, es kommt immer darauf an, was man daraus macht.

    Und hier denke ich das eben Twitter verkannt wird.
    Es gibt Potentiale die es sich zu heben lohnt.

    Hier ein paar Beispiele @csommer @wissenswert @ABack

    Viele liebe Grüße Jochen


  5. Hallo Antje!

    Ja genau so ist es. Hab mich sofort wieder erkannt in Deinem Artikel.
    Auch wenn mein http://www.cpthell.de Blögchen noch wenig gepflegt vor sich hindümpelt, weil mir hier einfach oft die Zeit fehlt neben im Layout herum zu doktern, noch sinnvolles zu schreiben, ist Twitter einfach die Möglichkeit sinnvolles und sinnloses mitzuteilen und vor allem zu teilen. Ich hab mir oft überlegt: “Interessiert das irgendwem, was Du da twitterst?!” Habe es dann trotzdem gepostet; eigentlich mehr, um mich selber später dran zu erinnern und schwupps, kamen auf dieses Posts die meisten Antworten. Stellt sich doch glatt die Frage, ist Twitter die neue Art von oberflächlichen – nein mit Absicht, oberflächlich gehaltenen Freundschaften, um einfach zur Entspannung vor sich hin zu brabbeln und nicht als Selbstgespräche führender Vollidiot da zu stehen? Wer führt nicht, wenn er allein daheim ist manchmal Selbstgespräche?! Hier also zu den öffentlichen!
    Antje, versüß mir die TL weiterhin mit Deinen Ansichten und Einsichten!
    Gruß
    Der Cpt


  6. Wer bei Twitter seine Leser findet und Spaß daran hat, der oder die sollte dieses Mitteilungsinstrument auch pflegen. Ich empfinde es manchmal als ein wenig nervig, denn bei vielen zu lesenden Tweeds ist auch oft viel Unsinn dabei.



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